Portraitfotografie: 5 Tipps für Anfänger
- Tessa

- 19. Sept. 2024
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 20. März
Für mich ist die Portraitfotografie einer der anspruchsvollsten Bereiche der Fotografie. Sie ermöglicht es, die Persönlichkeit, Emotionen und Einzigartigkeit eines Menschen in einem einzigen Bild festzuhalten. Es ist daher verständlich, wenn es anfangs schwierig erscheint, in diesem Bereich Fuß zu fassen.
So erging es mir vor einigen Jahren, als ich das Fotografieren von anderen Menschen für mich entdeckte. Seitdem habe ich viel gelernt und wertvolle Erfahrungen gesammelt. Heute möchte ich fünf meiner wichtigsten "Learnings" zum Einstieg in die Portraitfotografie mit dir teilen.
1. Was sind deine Intentionen? Warum möchtest du diesen Bereich der Fotografie für dich erschließen?

Auch wenn die Frage auf den ersten Blick banal wirkt, lohnt es sich, länger darüber nachzudenken. Häufig geht die Antwort über ein einfaches "Weil es schön aussieht" hinaus – und das ist auch gut so. Sobald du die Kamera in der Hand hältst und jemanden fotografierst, bestimmst du, wie du diese Person darstellst. Dein Gegenüber spürt das, und deshalb ist die Portraitfotografie viel intimer, als sie auf den ersten Blick scheint.
Die Einstellung, mit der du den Auslöser betätigst, beeinflusst nicht nur das Bild, sondern auch das Gefühl, das du deinem Model vermittelst. Dabei spielt auch die nonverbale Kommunikation eine wesentliche Rolle. Deshalb solltest du dir deiner Intentionen beim Fotografieren bewusst sein. Die Kamera ist ein mächtiges Tool, das Verantwortung mit sich bringt. Wenn dein Ziel darin besteht, die Vielseitigkeit und Schönheit der Menschen einzufangen, wird dies in deiner Arbeit sichtbar – und dein Model wird spüren, dass du genau weißt, was du tust.
2. Die ersten Models finden

Heutzutage ist es einfacher, erste Models zu finden, als noch vor einigen Jahren. Es gibt Apps wie Bumble Friends, über die sich Fotografen und Models vernetzen können, ganz zu schweigen von den sozialen Medien. Als ich damals meine ersten Portraits machte, war es noch etwas schwieriger. Ich war jünger und wusste wenig über Facebook-Gruppen oder Ähnliches. Also habe ich das Naheliegendste getan – ich habe meine Freunde fotografiert.
Die Vertrauensbasis war bereits vorhanden, und es hat uns umso mehr Spaß gemacht. Dabei habe ich gelernt, dass man für gute Fotos keine professionellen Models braucht. Gutes Licht, ein Auge für die richtige Farbstimmung und ein selbstbewusster Mensch vor der Kamera – das lässt sich auch als Anfänger umsetzen. Als meine Freunde mit den Bildern zufrieden waren, durfte ich sie auf Instagram posten, wodurch sich neue Interessenten fanden.
Wessen Freunde sich eher ungern fotografieren lassen, dem empfehle ich Apps wie Bumble Friends, Facebook-Gruppen oder Plattformen wie MeetUp. Auch Volkshochschulkurse zum Thema (Portrait-) Fotografie können hilfreich sein, um dein Netzwerk zu erweitern.
3. Auf die richtige Ausstattung kommt es nicht an

Zugegeben, der Titel ist etwas provokant, aber im Grunde stimmt er. Du brauchst keine Kamera für 2000 Euro, um mit der Portraitfotografie zu beginnen, und auch kein teures Objektiv mit der Möglichkeit einer weiten, offenen Blende. Natürlich macht hochwertige Ausrüstung Spaß, aber wenn du mit Menschen arbeitest, zählen die sogenannten "Soft Skills" am meisten.
Daher auch mein Appell: Sei dir deiner Intentionen bewusst. Zu den Soft Skills gehört, wie du mit deinem Model sprichst, wie viel Freiheit du beim Posing etc. lässt und welche Atmosphäre du schaffst.
Das ist alles sehr individuell, und häufig lernst du dabei auch etwas über dich selbst. Danach ist immer noch Zeit, in bessere Technik zu investieren. So konnte ich diesen spontanen Schnappschuss hier festhalten. Das Foto gehört ebenfalls zu meinen allerersten Portraitbildern.
4. Die Bedeutung eines "Fotobuddies"

Nichts hat mir so sehr geholfen, meine Fotografieskills zu verbessern, wie die Fotoshootings, die ich mit meiner Freundin und Fotobuddy Pauline gemacht habe. Ich kann nicht mehr zählen, wie oft wir uns gegenseitig Ideen für Fotos geschickt und uns dann zum Shooting verabredet haben.
Mit einem Fotobuddy kannst du selbst die verrücktesten Ideen und Posen ausprobieren.
Das bildet einen wichtigen Kontrast zu professionellen Shootings mit Models, bei denen du als Fotograf eine gewisse Professionalität zeigen musst. Optimalerweise ist dein Fotobuddy jemand, mit dem du sowieso schon befreundet bist, oder eine Person, bei der du dich wohlfühlst, auch selbst vor der Kamera zu stehen. Dieser Punkt führt mich direkt zu meinem fünften Tipp.
5. Vor der Kamera stehen & Selbstportraits

"Wieso sollte ich als Fotograf selbst vor der Kamera stehen?", hast du dich vielleicht beim Lesen der Überschrift gefragt. Die Antwort ist einfach: Weil du sonst nicht weißt, wie es sich anfühlt. Du solltest erfahren, wie es ist, ein Fotoshooting aus der Perspektive deines Models zu erleben.
Wie viel Sicherheit sollte dir der Fotograf geben? Bist du dankbar für Anweisungen? Diese Erfahrungen helfen dir, empathisch auf deinen Shootingpartner einzugehen. Du solltest dein eigenes Werkzeug nicht fürchten. In diesem Zusammenhang empfehle ich dir auch, dich mit Selbstportraits auseinanderzusetzen.
Das ist besonders sinnvoll, wenn du dich ungern von anderen fotografieren lässt. Wenn du Bilder von dir selbst machst – also vor und hinter der Kamera gleichzeitig agierst – bekommst du ein tiefes Verständnis für Fotografie, Licht, Winkel und vieles mehr. Als ich damals meine neuen Softboxen ausprobierte, entstand unter anderem dieses schwarz-weiße Bild von mir.
Danach wusste ich: Wenn ich die Softboxen allein nutzen kann, dann erst recht in Zusammenarbeit mit jemand anderem. Dieses Wissen hat mir zusätzliches Selbstvertrauen gegeben. Sollte ich mich in Zukunft in einer Studiosituation wiederfinden und mein Model sagt: "Kannst du die Pose bitte mal vormachen, damit ich verstehe, was du meinst?", habe ich damit keinerlei Probleme. Ich habe es ja bereits selbst geübt. Generell sollte ein Fotograf immer in der Lage sein, vor der Kamera zu zeigen, wie er sich bestimmte Posen oder Ausdrücke vorstellt. Früh übt sich also :)

All diese Tipps mögen anfangs überwältigend wirken. Aber mit Interesse und Spaß an der Sache wird alles mit der Zeit von selbst kommen. Ich hoffe, dass dir diese Ratschläge den Einstieg in die Portraitfotografie erleichtern und dir helfen, deine Fähigkeiten weiterzuentwickeln.
Denke daran, dass Fotografie nicht nur Technik ist, sondern vor allem auch ein Ausdruck deiner Kreativität und deiner Sicht auf die Welt. Lass dich nicht von anfänglichen Unsicherheiten entmutigen. Jeder Fehler ist eine Gelegenheit zu lernen und zu wachsen.
Ich wünsche dir viel Spaß beim Fotografieren und beim Entdecken der vielen Facetten innerhalb der Portraitfotografie!

